Bayerische Geschichte
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Daniel Schönwald: Integration durch eine Interessenpartei

Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Bayern 1950–1981

01.09.2014

Die Geschichte des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) stellt ein wichtiges Kapitel der bayerischen und bundesdeutschen Parteiengeschichte dar. Gleichwohl ist dieser heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Das Buch schildert Struktur und praktische Politik des BHE in den bewegten Nachkriegsjahrzehnten. Ab 1950 agierte die dezidierte Klientelpartei für die aus den früheren Ostgebieten des Deutschen Reiches und weiteren Regionen Ostmittel‐ und Südosteuropas in den Westen gelangten Flüchtlinge und Vertriebenen. In Bayern stammte in den 1950er Jahren mehr als ein Fünftel der Bevölkerung aus dem Osten. Der BHE fungierte als politische Repräsentation dieser Interessengruppe mit ihren ganz spezifischen Anliegen. Als Regierungspartei im Freistaat von 1950 bis 1962 und im Bund von 1953 bis 1955 gestaltete er die praktische Politik über weite Strecken mit und konnte Verbesserungen für seine Klientel durchsetzen. Man kann ihn als eine der erfolgreichsten Parteien in der bundesrepublikanischen Geschichte bezeichnen, da er seine Ziele weitgehend erreichte und sich damit letztlich selbst überflüssig machte.

Der Untersuchung des BHE-Landesverbands Bayern liegen folgende leitende Fragestellungen zugrunde: Beschleunigte die Gründung einer eigenen Partei zur Interessenvertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen, einer Interessenpartei, die Eingliederung der Neubürger oder verzögerte sie diese eher? Bewirkte der BHE als spät gegründete Partei eine Radikalisierung der „Heimatvertriebenen“ und „Entrechteten“ oder leistete er einen Beitrag zur Stabilisierung des bundesdeutschen Parteiensystems? Hatte das Agieren der Partei modernisierenden oder eher retardierenden Einfluss auf die aufnehmende bayerische Gesellschaft?

Die Integration gilt heute weithin als gelungen, geradezu als Erfolgsmodell. Gleichwohl ist das Thema Flucht und Vertreibung politisch weiterhin virulent, einerseits in den Beziehungen zu den ostmitteleuropäischen Nachbarstaaten, andererseits auch innenpolitisch, zumal die Form des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs umstritten ist. Dieses Buch kann einen Beitrag zur Historisierung des Themas leisten.

Daniel Schönwald recherchierte in einer Vielzahl von Archiven der Bundes‐, Landes‐ und kommunalen Ebene. Da keine geschlossene Überlieferung von Unterlagen des BHE existiert, mussten Informationen aus staatlichem sowie Nachlassschriftgut zusammengetragen werden.

Die bei Prof. Ferdinand Kramer am Institut für Bayerische Geschichte der LMU entstandene Dissertation wird 2014 mit dem Adolf‐Klima‐Preis der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.

Daniel Schönwalds Monographie über den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Bayern 1950–1981 ist über den Verlag Michael Laßleben zu beziehen.

Schönwald, Daniel, Integration durch eine Interessenpartei. Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Bayern 1950–1981 (= Münchener Historische Studien: Abteilung Bayerische Geschichte, Bd. 24), Kallmünz/Opf. 2014. (ISBN 9783784731247)