Bayerische Geschichte
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Markus Schmalzl: Erhard Auer

Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie in Bayern

02.12.2013

In der dramatischen Epoche von Weltkrieg, Revolution und Weimarer Republik wurde die bayerische Politik entscheidend von dem führenden SPD-Politiker Erhard Auer geprägt. Mit der politischen Biographie Auers zeichnet der Historiker Markus Schmalzl Karriere und Leben Erhard Auers nach und beleuchtet eine zu Unrecht vergessene Persönlichkeit neu.

Erhard Auers Lebensweg polarisierte und faszinierte bereits die Zeitgenossen. Trotz seiner Herkunft aus der ländlichen Unterschicht Niederbayerns gelang ihm eine steile Parteikarriere bis hin zum Landesvorsitz der bayerischen MSPD am Ende des Ersten Weltkriegs. Der Schüler Georg von Vollmars dominierte über das nächste Jahrzehnt hinweg die bayerische SPD und war auch im rechten Flügel der Reichs-SPD einflussreich. Als Reformer stand er im Gegensatz zur USPD und noch weiter links stehenden Gruppierungen. Doch engagierte er sich auch in der Revolutionsregierung Kurt Eisners, dessen profiliertester Gegenspieler er wurde – war für Auer doch die parlamentarische Demokratie während der Monarchie, in den Revolutionswirren und dann in der Weimarer Republik immer das anzustrebende bzw. das zu bewahrende politische System. Schon früh erkannte er die Gefahr, die vom heraufziehenden Nationalsozialismus ausging und wurde wohl zum exponiertesten Verteidiger der Weimarer Republik in Südbayern. Seine politische Position der Mitte brachte ihm so den Hass der extremen Rechten wie der Linken ein: Beide Seiten verübten mehrere Attentate auf ihn.

Ohne dass Auers Schattenseiten wie sein rücksichtsloses Vorgehen gegen innerparteiliche Gegner ausgeblendet werden, zeigt seine Biographie, dass er politisch und persönlich bereit war, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Mit großem persönlichem Einsatz, Verbindungen über das sozialdemokratische Milieu hinaus und mit bisweilen unkonventionellen Mitteln versuchte er, gegen Hitler anzukämpfen – letztlich vergeblich.

Markus Schmalzls politische Biographie Auers zeichnet so auch beispielhaft den Kampf nicht nur der bayerischen SPD um die Durchsetzung und Bewahrung der parlamentarischen Demokratie nach. Durch eine weitgespannte Materialbasis und Quellen aus einer Vielzahl von Archiven des In- und Auslands gelang es so, das Fehlen eines persönlichen Nachlasses Auers auszugleichen, woran bisher alle Versuche einer näheren Erforschung Auers scheiterten. Dafür wurde die bei Prof. Ferdinand Kramer am Institut für Bayerische Geschichte der LMU entstandene Dissertation 2011 mit dem Michael-Doeberl-Preis und 2013 mit dem Max-Spindler-Preis des Bayerischen Clubs ausgezeichnet.

Das Buch kann im Buchhandel, über lehmanns.de und buchhandel.de sowie beim Verlag Michael Laßleben bezogen werden.

Schmalzl, Markus, Erhard Auer (1874–1945). Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie in Bayern (= Münchener Historische Studien, Bd. 20), Kallmünz/Opf. 2013. (ISBN 978 3 7847 3020 2)